Werde Kompost-Experte: Nährstoffe, Reifegrad & Co im Fokus
Je nachdem, womit du deinen Kompost füllst, lassen sich auch die Eigenschaften des Endergebnisses beeinflussen. Das ist einer der Gründe, warum Kompost so vielseitig und beliebt ist. Nachdem wir uns bereits damit beschäftigt haben, was Kompost ist und wie man ihn richtig anlegt, wollen wir nun ein bisschen tiefer in die Materie eintauchen. In diesem Beitrag beschäftigen wir uns genauer mit dem Nährstoffhaushalt, den verschiedenen Kompost-Arten, den unterschiedlichen Reifegraden und wofür sich welcher Kompost am besten eignet.
Nährstoffgehalt & Pflanzenverfügbarkeit
Wenn wir von Kompost reden, ist meistens der sogenannte Bioabfall-Kompost gemeint. Daneben gibt es jedoch noch weitere Kompostarten, welche sich in der Zusammensetzung voneinander unterscheiden. Grundsätzlich solltest du bei der ganzen Sache den pflanzenverfügbaren Stickstoffanteil im Auge behalten. Kompost enthält generell viele basische Stoffe, weshalb er den pH-Wert hebt und eine Kalkung bei sauren Böden ersetzen kann. Es gibt jedoch auch Kompost, welcher gerade für Pflanzen geeignet ist, die sich im eher sauren Milieu wohl fühlen.
Pflanzenverfügbarkeit: was bedeutet das?
Es genügt uns erst einmal zu wissen, dass der Begriff beschreibt, ob und in welchem Maße die Nährstoffe im Boden den Pflanzen zur Verfügung stehen und von ihnen über die Wurzeln aufgenommen werden können. Der pH-Wert des Bodens hat dabei Einfluss auf die Pflanzenverfügbarkeit aller Mikro- und Makronährstoffe. Bald findest du bei uns einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema.
Das richtige C-/N-Verhältnis - der Schlüssel für guten Kompost
Das C-/N-Verhältnis gibt an, wieviel Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N) im Kompost enthalten sind und in welchem Mengenverhältnis beide Stoffe zueinander stehen. Warum ist dieses sagenumwobene C-/N-Verhältnis so wichtig? Wie wir wissen, brauchen Pflanzen für ein gesundes Wachstum unter anderem Stickstoff in ausreichender Menge. Nun ist es aber so, dass auch unsere fleißigen Mikroorganismen Stickstoff, vor allem bei der Zersetzung von Kohlenstoff, brauchen. Das hat einen einfachen Grund: Stickstoff liefert unseren Zersetzern die notwendige Energie, die sie für die Stoffwechselprozesse benötigen und lässt sie effizienter arbeiten. Dadurch läuft die Rotte schneller ab und es werden im Anfangsstadium höhere Temperaturen erreicht. Kohlenstoffreiche Bestandteile lassen sich schwer zersetzen und erfordern somit einen höheren Stickstoffverbrauch durch die Mikroorganismen.
Das ideale Mischverhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff liegt etwa zwischen 20:1 und 25:1. Vor allem feste und schwer zersetzbare Materialien (z.B. Holzhäcksel, Stroh, Zweige) enthalten viel Kohlenstoff. Weiche und frischere Materialien, welche sich schnell zersetzen lassen (z.B. Rasenschnitt, Gemüseabfälle), haben einen hohen Anteil Stickstoff. Haben wir nun ein unausgewogenes Mischverhältnis (zu viele kohlenstoffhaltige Zutaten) in unserem Kompost, sind die Mikroorganismen gezwungen, Stickstoff aus dem Boden zu ziehen um weiterhin genügend Energie für die Zersetzung zu haben.
Zu viel Kohlenstoff im Kompost sorgt also dafür, dass nicht mehr ausreichend Stickstoff im Endprodukt oder später im Boden pflanzenverfügbar ist und es zu einem Mangel kommen kann. Als Faustregel für ein gutes Mischverhältnis im Kompost kannst du dir merken: Ein Drittel schwer zersetzbares Material (kohlenstoffreich) zu zwei Dritteln weicher Materialien (Stickstofflieferanten) sind optimal. Verwendest du eine gute Mischung aus pflanzlichen Küchen- und weichen Gartenabfällen, so ist es in der Regel nicht notwendig, dem Kompost zusätzlichen Stickstoffdünger für eine bessere Rotte (wie z.B. Hornmehl oder getrockneten Hühnermist) hinzuzufügen. Je bunter die Kompost-Zutaten also gemischt sind, desto besser!
Welche Kompostarten gibt es?
Zu Beginn haben wir es bereits angedeutet: es gibt unterschiedliche Arten von Kompost. Verfügst du über ausreichend Platz, kannst du Kompost mit zwei oder mehreren Kammern anlegen und gleichzeitig verschiedene Sorten Komposterde gewinnen. In unserem Bloomify-Leitfaden findest du eine gute Anleitung, wie man einen Kompost richtig anlegt und pflegt.
Sehr beliebt ist der allseits bekannte Bioabfall-Kompost. Er besteht hauptsächlich aus organischen Küchenabfällen, enthält aber auch Grünschnitt, Laub und andere Gartenabfälle. Etwas angewelkter Rasenschnitt sorgt außerdem zusätzlich für einen guten Stickstoffgehalt. Diese Art von Kompost ist sehr nährstoffreich und enthält in der Regel alle nötigen Makro- und Mikronährstoffe, die unsere grünen Lieblinge prächtig gedeihen lassen. Als Universaldünger macht er somit eine klasse Figur. Insgesamt handelt es sich beim Bioabfall-Kompost eher um einen Pflanzen- als um einen Bodendünger, dies hängt jedoch auch von seinem Reifegrad ab.
Falls du dir nicht ganz sicher bist, was alles auf den Kompost darf und was nicht: Kein Problem! Hier findest du eine Übersicht, an der du dich gut orientieren kannst.
Ein weiterer klasse Kompost, mit dem du vor allem deinen Boden verbessern kannst, ist der Grün- oder Grünabfall-Kompost. Wie der Name bereits verrät, besteht diese Art von Kompost ausschließlich aus Grün- und Gartenabfällen. Er ist nährstoffärmer als der Bioabfall-Kompost, hat ein höheres Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff und beinhaltet viele nur schwer zersetzbaren Materialien wie Äste oder Holz allgemein. Auch hier macht ein wenig zusätzlicher Rasenschnitt Sinn. Grünabfall-Kompost enthält viele strukturgebende Stoffe und eignet sich hervorragend für die Verbesserung des Bodenlebens. Du solltest jedoch generell darauf achten, dichtes Material für eine ausreichende Belüftung mit zerkleinerten Ästen aufzulockern. Spannend für alle Tierfreunde unter uns: Vor allem bei der Pferdehaltung ist Grünkompost eine tolle Einstreu im Stall und kann alleine (etwa 30 cm hoch) oder als Unterlage unter Hackschnitzeln oder Ähnlichem verwendet werden.
Im Herbst, wenn die Bäume ihr Laub abwerfen, ist die perfekte Zeit, um einen Laubkompost anzulegen. Er liefert dir am Ende eine besonders hochwertige und feinkrümelige Erde, welche sich wunderbar als Anzuchterde eignet. Diese Art von Kompost hat in der Regel einen niedrigeren pH-Wert und eignet sich auch für Pflanzen, die einen sauren Boden mögen, wie zum Beispiel Heidelbeeren. Laubkompost zersetzt sich sehr langsam und benötigt 1 bis 2 Jahre, bis er reif ist. Alles, was du dazu brauchst, ist das anfallende Herbstlaub und Erde (noch besser fertigen, bzw. reifen Kompost) für die notwendigen Mikroorganismen. Für eine Extraportion Stickstoff kannst du auch hier Hornmehl oder Rasenschnitt hinzugeben. Möchtest du die Komposterde für Pflanzen verwenden, die nicht so saure Böden mögen, kann Algenkalk oder Kalkgesteinsmehl Abhilfe schaffen.
Sehr wichtig ist es, auch hier auf eine ausreichende Belüftung zu achten; Laub ist in der Regel ein sehr dichtes Material. Durch zerkleinerte Äste und Zweige wird eine bessere Belüftung erreicht, zudem ist ein Lattenkomposter einem Thermokomposter vorzuziehen (letztere verfügen meist nicht über die erforderliche Luftdurchlässigkeit). Hier findest du einen Überblick über die gängigsten verschiedenen Komposter. Anlegen tust du auch den Laubkompost in Schichten: Einfach im Wechsel eine Schicht Laub (ca. 20 cm) und eine dünne Schicht Komposterde (ca. 5-10 cm) aufbringen. Sinnvoll ist es außerdem, die unterste Schicht mit schnell zersetzbarem Laub zu füllen. Darüber können dann die Laubsorten kommen, die ein wenig länger brauchen.
Diese Laubsorten verrotten schneller:
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- Birke
- Ziergehölze
- Ahorn
- Obstbäume (vor allem Apfel- und Kirschblätter)
Diese Laubsorten brauchen länger:
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- Eiche
- Buche
- Kastanie
- Platanen
Der richtige Reifegrad - für den letzten Schliff
Kommen wir nun zum letzten wichtigen Punkt: dem Reifegrad. Je nachdem, wie lange der Kompost bereits verrottet, werden Reifegrade unterschieden. Du kannst dir merken: Je länger die Rotte andauert, desto eher gehen die Eigenschaften von Pflanzendünger in Richtung Bodendünger.
Frischkompost enthält hohe Anteile leicht zersetzbarer organischer Substanz und wirkt sich stimulierend auf das Bodenleben aus, denn die Rotte geht im Boden weiter. Er ist nach etwa 6 Wochen “erntereif”, bereits durch erhöhte Temperaturen hygienisiert, fördert die Mineralisierung im Boden und ist weder in Humus umgewandelt, noch fertig kompostiert und enthält deutlich sichtbar noch seine Bestandteile. Er sollte im Herbst ausgebracht werden, damit genügend Nährstoffe im Boden umgesetzt und gespeichert werden, pflanzenverfügbar werden und sich die organischen Bestandteile weiter zersetzen können. Außerdem macht der Frost potentielle Krankheitskeime unschädlich. Durch die im Boden andauernde Rotte und die entstehenden und schnell verfügbaren Nährstoffe, ist Frischkompost ein toller Pflanzendünger.
Fertigkompost besteht zum Großteil aus Humus und gibt die Nährstoffe nur langsam, aber gleichmäßig an den Boden ab. Er wird nur noch sehr langsam weiter zersetzt und benötigt 4 bis 12 Monate Reifezeit. Fertigkompost erkennst du an der tiefschwarzen Farbe, der krümeligen Struktur und dem typischen Waldboden-Duft. Er ist gleichermaßen gut als Pflanzen- und Bodendünger geeignet.
Reifekompost ist nach etwa 1 bis 2 Jahren vorhanden; jetzt sind alle Bestandteile vollständig in Humus umgewandelt, du findest nicht einmal mehr Holzstückchen darin. Er fördert das Bodenleben, enthält jedoch weniger pflanzenverfügbare Nährstoffe. Deshalb ist Reifekompost ein toller Bodendünger, hebt dessen pH-Wert (sofern es sich nicht um eher sauren Laubkompost handelt) und wertet dessen Eigenschaften, wie z.B. die Belüftung und Durchlässigkeit, erheblich auf.
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